Archiv der Kategorie: Historische Berichte

Aus der Asche auferstanden

Zehn Jahre sind vergangen und es ist, als wäre es gestern gewesen, damals am Ostermontag, den 17. April 2006. Es war nach vier Uhr nachts, als das Telefon klingelte und der Pager piepste. „Stallbrand in Salaplauna“ – Naja, dachte ich, das muss wohl der kleine Stall oberhalb der Kantonsstrasse sein, vor einem Jahr brannte ein anderer Stall, weiter unterhalb der Lukmanierstrasse. So zog meine Brandschutzbekleidung an, dachte dabei, wo der nächste Hydrant liegt, machte mir Gedanken über Wassertransport, fuhr mit dem Auto weg und unterhalb von Segnas wurde mir klar, als ich nach Disentis blickte: es ist der grosse Klosterhof! Kurz darauf bestätigte mir die Notrufzentrale in Chur den Ort.

Riesige Flammen stiegen empor und Disentis leuchtete hell im orangen Licht. Ich muss zugeben, mir wurde mulmig. Ich dachte an die mir gut bekannte Pächterfamilie, die vielen Tiere und hoffte auf meine Leute. Als ich beim Feuerwehrlokal vorbeifuhr, sah ich Licht und war erleichtert, nicht allein zu sein. Inmitten des Dorfes Disentis galoppierte mir ein Pferd entgegen, später traf ich auf eine Gruppe verstörte Kälber. Als ich kurz vor dem Schadenplatz ausstieg, hörte ich das Gebrüll der Tiere, es war schrecklich und ich kann es heute noch beschreiben. Auch unser Gemeindepräsident kam gerade an, sprach mir Mut zu und bot Hilfe an. Diese wenigen Worte beruhigten. Schnell erkundigte ich mich nach der Familie, ob das Haus leer sei, alle draussen? Nur der Pächter sei im Stall. War ja klar, dachte ich, er der tierliebende Bauer will alles retten, egal welche Gefahr auf ihn lauert. Mein erster AdF kam, musste den Pächter auffinden und ging weg. 

Der Heustock stand auf der ganzen Länge in Vollbrand, vom Stall her strahlte eine enorme Hitze, die Schilder der angrenzenden Kantonsstrasse schmolzen. Dann kamen immer mehr Feuerwehrleute und als die Meldung kam, die ganze Pächterfamilie und die Tiere seien in Sicherheit, wurde es in mir ruhiger und ich konnte klarer denken, nicht zuletzt auch dank der Mithilfe meiner Kameraden. Mein Entschluss war klar: Haus halten, Rest je nach Möglichkeit ebenfalls halten. Mein Vizekommandant erhielt den Befehl, das Haus mit einem Hydroschild schützen zu lassen. Kameraden führten den Auftrag aus, als der nächste Schreck folgte: krachend und unvorhergesehen stürzte die gesamte tonnenschwere Stahlkonstruktion Richtung Haus, genau dorthin, wo das Hydroschild stehen sollte. Das Feuer war gewaltig, die Erschütterung auch. Habe ich jetzt Kameraden in den Tod geschickt? In meiner 15-jährigen Tätigkeit als Kommandant hatte ich zweimal grosse Angst um meine Kameraden, das war das erste Mal und der Schreck hat mich geprägt. Glücklicherweise tauchte aber mein Vize bald auf, heil, und teilte mir mit, das Hydroschild habe bereits seinen Dienst getan und die fallenden, brennenden Holzteile gelöscht, niemand sei zu Schaden gekommen, eventuell habe das Haus gelitten.

Was dann folgte, war fast Routine. Zwar tauchten immer wieder kleinere Probleme auf. Wir arbeiteten aber gut und alles funktionierte dementsprechend. Die Feuerwehr löschte den Brand, die Bauern sorgten zusammen mit dem Tierarzt um die Tiere. Irgendwann gegen Abend war das Feuer mehrheitlich gelöscht, wir konnten abziehen und lediglich eine Brandwache stellen. Immer wieder musste nachgelöscht werden, sogar noch eine Woche später, als Strohballen erneut Feuer fingen. Zurück blieb eine Ruine eines Landwirtschaftbetriebes, ein nun allein stehendes Bauernhaus, eine traurige, erschütterte Pächterfamilie, zwei tote Tiere (eine Kuh, die wieder in den Stahl zurückkehrte und das Pferd, das notgeschlachtet wurde) und eine Klostergemeinschaft, die nun gut überlegen musste, ob sich ein Landwirtschaftsbetrieb auf der Salaplauna noch zeitgemäss ist.

Doch Salaplauna ist wie ein Phönix. Aus der Asche erstanden steht heute ein neuer Stall mit Besuchergallerie, das Center sursilvan d’agricultura, wo regelmässig Veranstaltungen stattfinden und eine Grosskäserei, die täglich rund 25’000 m3 Milch aus der Region zu Bergkäse verarbeitet. Neues Leben und neue Arbeitsplätze sind entstanden, dank einer in die Zukunft schauenden Klostergemeinschaft und mutigen Bauern. Leider ist die damalige Pächterfamilie nicht mehr dort, doch eine neue, junge Familie ist eingezogen. Zusammen mit Angestellten bewirtschaften sie den grössten Landwirtschaftsbetrieb der Region. Jedes Jahr an Ostern denke ich an Salaplauna, an die schrecklichen Minuten, aber auch an schöne Momente, ja sogar lustige Anekdoten. Der Brand hat den Zusammenhalt in der Feuerwehr gestärkt, die Motivation gesteigert und uns gezeigt, warum wir eigentlich regelmässig üben müssen. Allen die dabei waren, muss man das wohl nie erklären müssen! Zehn Jahre sind vergangen, viele Einsätze durfte ich bewältigen, neue Erfahrungen hinzugewinnen und heute würde ich es wohl genau so machen, zwar mit neuen technischen Möglichkeiten und wohl auch ruhiger, nicht zuletzt geprägt von diesem grossen Brand vor zehn Jahren.

 von Gion Tenner, Kdt

Klosterhof Salaplauna steht in Flammen

Bilder: Romeo Schmed und Stiafen Furger Text: Gion Tenner 

Ostermontag, den 17. April 2006. Es ist 04.11 Uhr als die Einsatzzentrale der Kantonspolizei in Chur den Pikett 1 des Feuerwehrstützpunktes Disentis alarmiert. In Salaplauna brenne ein Stall. Ich verlasse das Haus und sehe bald, dass der Klosterhof in Flammen steht. Beim Komplex handelt es sich um einen rund 90 Meter langen Stall, 20 Meter breit mit verschiedenen Anbauten. Auf der Nordseite steht ein Wohnhaus, ansonsten sind keine weiteren Gebäude in der Nähe. Der Zugang ist von drei Seiten her möglich, Hauptzugang ist die Lukmanierstrasse. Das Wasser kann vom nahegelegenen Aclettabach und vom Hydrantensystem bezogen werden. Eine Freileitung, welche grosse Teile der Region mit Strom versorgt, verläuft in der Nähe des Wohnhauses. Es ist windstill, der Himmel ist leicht bewölkt, Temperatur um die 5° C. 

Ein mulmiges Gefühl steigt hoch, der Führungsrhythmus tickt aber bereits und überdeckt alle anderen Gedanken. 

Ich versuche die Einsatzzentrale zu erreichen, die Leitungen sind überlastet und so komme ich ein gutes Stück weiter, bis endlich die Gesamtfeuerwehr aufgeboten werden kann. Schon um 04.17 Uhr treffen wir auf dem Schadenplatz ein. Der Stall steht im Vollbrand, der Anbau hat ebenfalls Feuer gefangen. Kühe und Rinder springen auf der Strasse umher, Leute schreien. Durch die hellerleuchteten Fenster sieht man Menschen Tiere retten. Das Wohnhaus ist intakt. Meine ersten Gedanken gelten dem Pächter, den ich gut kenne und vor allem auch seiner Tierliebe. Was wir nicht brauchen können, sind Heldentaten mit Unfällen oder Toten. So werden die eintreffenden AdF auch angeleitet, Personen aus dem Gefahrenbereich zu bringen und die Tiere vom brennenden Stall wegzubringen. 

Das Pikett 1 ist auf Platz, weitere Adf folgen. Der Gruppenführer TLF meldet sich und erhält den Auftrag, das Haus mit einem Hydroschild zu schützen. Die Leute arbeiten ruhig, aber speditiv, die Wasserwand steht nach zwei Minuten, das TFL hat eine Zubringerleitung ab Hydrant, für den ersten Moment genügt das. Die Schadenplatzorganisation wird eingerichtet. Weitere Transportleitungen ab TFL können erstellt werden. Mein Ziel steht fest: das Feuer drücken wir weg vom Haus Richtung Süden. Unerwartet schnell stürzt plötzlich der gesamte Stahlaufbau zusammen, nur 15 Minuten nach Alarmeingang! die Stahlkonstruktion konnte sich der enormen Hitze nicht widersetzen. Ächzend fällt die tonnenschwere Konstruktion gegen das Wohnhaus. Ein riesiger Krach, niemand verletzt. Das Hydroschild löscht die entgegengestürzte Fassade ab, der Rest erfolgt mit zwei Druckleitungen.

Der bereits eingesetzte Abschnittsoffizier meldet Gefahrenstoffe (ein grosser Dieseltank und verschiedene Kanister mit unbekanntem Inhalt auf der Ostseite). Das Teilstück unterhalb des Wohnhauses liefert das nötige Wasser zum Kühlen. 

Die Hitze ist enorm, die Verkehrstafeln auf der Strassenoberseite schmelzen. Die Lukmanierstrasse ist und bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Herr Beeli von der Kantonspolizei Disentis trifft ein. Er unterstützt uns, informiert die Medien und erstattet kurz Bericht nach Chur. 

Nun liefert auch eine MS 2 Wasser zum Schadenplatz. Wir beginnen mit der sukzessiven Brandbekämpfung von Norden nach Süden. Das Gebäude ist inzwischen stromlos geschaltet, leider auch die Wohnquartiere Raveras und Gonda. Nach einer Stunde sind keine grösseren Flammen mehr sichtbar, aber es brennt unter dem Blechdach noch gewaltig. Wir brauchen einen Kran, um das Blech entfernen zu können, müssen aber auf den Brandermittler warten, um keine Spuren zu beseitigen. 

Um 08.10 Uhr trifft dieser auf dem Platz ein und gibt grünes Licht, dass das Dach, welches auf das Haus gestürzt ist, entfernt werden kann. Die Bilder, welche wir intern für uns erstellen, zeigen, wo das Feuer ausgebrochen ist. Die Löscharbeiten können nun voll durchgezogen werden. Im Untergeschoss werden weitere Gefahrenstoffe gesichtet. Durch gezieltes Kühlen bleiben Tanks und Fässer unbeschädigt. 

Stück für Stück arbeiten wir vorwärts. Das Dach ist um 13.15 Uhr entfernt, die Stahlträger sind für den Kran zu schwer. Nun muss das Heu gelöscht werden, eine mühsame und vor allem stinkige Aufgabe, welche teilweise nur unter Atemschutz bewerkstelligt werden kann. Dienlich ist hier auch die Anhängeleiter (praktischer die ADL, welche nächstens eintreffen sollte!). Im Anbau werden Chemikalien in grösseren Mengen festgestellt. Nach Anweisungen des Chemiefachberaters werden diese neutralisiert. 

Dank: 

Keine Personen wurden verletzt, von 50 Kühen und Rindern konnten 49 gerettet werden, das Wohnhaus konnte geschützt werden, es entstand lediglich ein kleiner Gebäudeschaden am Dach und Fensterglas zerbarst, dies alles Dank dem Einsatz von vielen Helferinnen und Helfern, namentlich: 

• meiner Kameradin und meinen Kameraden der Feuerwehr 

• Nachbaren und Bauern, welche für uns Aufgaben erledigten, die uns viel Zeit und Kräfte abverlangt hätten, sodass wir uns auf unsere speziellen Aufgaben konzentrieren konnten 

• dem Kloster Disentis für die Zwischenverpflegung 

• Gusti Calivers für seine guten Ratschläge und die willkommene Unterstützung 

• der Kantonspolizei, vor allem Andreas Beeli, für die gute Zusammenarbeit 

• den aufgebotenen Firmen aurax electro und Caduff SA

Für die meisten AdF endet der Einsatz um 17.15 Uhr, eine Brandwache sichert die Einsatzstelle noch bis 22.05 Uhr, nachdem der gesamte Komplex mit einer Wärmebildkamera nach Glutnestern abgesucht wurde. 

Während die Feuerwehr und Polizei vollkommen mit dem Brand beschäftigt waren, halfen viele Nachbarn, vor allem Bauern, mit den Tieren und sorgten sich um die Familie. Diese Arbeiten entlasteten uns sehr. 

Lehren 

Der Einsatz verlief reibungslos. Da viele aktive Feuerwehrmänner und -frauen diese Seite lesen, möchte ich nochmals auf die Gefahren von Stahlkonstruktionen hinweisen. Diese sind, wir haben es gesehen, unberechenbar. Der Einsturz kann jederzeit erfolgen und wird nicht wie beim Holz, vorangekündigt. 

Neben den Personen und Tieren gelang es uns das Wohnhaus und praktisch den gesamten Maschinenpark zu retten.

Mitteltabelle 

1 Tanklöschfahrzeug 

1 Pikettfahrzeug 

2 Transportfahrzeuge mit verschiedenen Anhängern 

1 Anhängeleiter 

1 Motorspritze Typ 2 

52 Feuerwehrleute 

4 Sanitätsdienst/ Versorgung 

2 (4) Polizeibeamte 

ca. 900 m Transportleitungen 

ca. 700 m Druckleitungen

Waldbrand ob Disentis

16.7.1990 (ap) Oberhalb von Disentis ist am Nachmittag im Zusammenhang mit Aufräumarbeiten von Windwurfholz ein Waldbrand ausgebrochen. Das Ausmass des Feuers im Val Segnas auf rund 1600 Metern über Meer war zunächst nicht bekannt, wie die Kantonspolizei Graubiinden mitteilte. Die Feuerwehr wurde bei den Löscharbeiten durch Zwei Helikopter unterstützt

Kirchenbrand Cavardiras 1983

Wörtliche Übersetzung aus: Gasetta Romontscha vom 20. September 1983

Am Donnerstag [, den 15. September 1983] um 15.15 Uhr wird in Disentis Feueralarm geschlagen: die Kirche von Cavardiras, bzw. das Dach und der Turm stehen in Flammen. Obwohl die Feuerwehr recht schnell auf Platz ist, muss sie feststellen, dass das Dach und der Turm nicht mehr zu retten sind. Die Feuerwehr versucht darum den Brand zu lokalisieren und die Nachbarsgebäude zu schützen. Trotz des starken Föhnes gelingt dies, nicht zuletzt auch darum, weil die Kirche am Rande des Dorfes steht. Das Feuer ist auf dem Dach neben dem Turm ausgebrochen. Der Grund ist noch unbekannt [Anm.: Dachdeckerarbeiten lösten das Feuer aus]. Auf dem alten Schindeldach breitete sich das Feuer rasch aus. Die mit Renovationsarbeiten beschäftigten Arbeiter bemerkten das Feuer zu spät. So konnte ein grösserer Schaden nicht verhindert werden. Doch auch die Feuerwehr kämpfte mit Schwierigkeiten. Wegen Bauarbeiten an der Kantonsstrasse Disentis – Cavardiras, musste die Feuerwehr über die Strasse Madernal/Pardomat anfahren. Auch herrschte grosser Löschwassermangel bis die Motorspritze auf Platz war. Das Feuer zerstörte das ganze Dach, den Turm mit allen vier Glocken. Weiter wurde das Gewölbe so stark beschädigt, dass dieses erneuert werden muss. Im Inneren der Kirche gab es vor allem grossen Wasserschaden.

Die zwei oberen Bilder stammen aus dem Pfarrarchiv Disentis, das untere Bild aus dem Privatarchiv von Hans Huonder.

Turnhallenbrand in Disentis

Disentis, 22. Jan. 1974 (sda) In der Gemeindeturnhalle von Disentis im Bündner Oberland ist Feuer ausgebrochen. Trotz dem raschen Eingreifen der Feuerwehr entstand am Gebäude ein Sachschaden von etwa 200 000 Franken. Der Brand wurde vermutlich durch einen auf der Bühne installierten Scheinwerfer verursacht.

Dorfbrand Acletta/Disentis 1964

Wörtliche Übersetzung aus der lokalen Wochenzeitung Gasetta Romontscha vom 28.1.1964:

Am Sonntag Abend, den 26. Januar 1964, ca. um 8 Uhr ist ein Feuer im einem Stall inmitten des Weilers Acletta, Gemeinde Disentis/Mustér, ausgebrochen. Das Feuer hat sich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit ausgebreitet, so dass die angrenzenden Gebäude schnell auch Feuer gefangen haben. Sofort wurde die Feuerwehr Disentis alarmiert, wohlwissend dass eine sehr grosse Gefahr für den ganzen Weiler von Acletta herrschte. Gleichzeitig wurden die Feuerwehren von Trun und Ilanz aufgeboten und man hat die Motorspritze von Trun zusätzlich aufgeboten. Die Häuser in der Nachbarschaft waren besonders gefährdert, da das Feuer im Zentrum der Ökonomiegebäude ausgebrochen war. In der sternenklaren Nacht wurde das Feuer in Richtung des Hauses der Familien Giachen Lozza und Baseli Maissen geworfen. Auf der anderen Seite waren vor allem die Häuser der Familien Anton Maissen und Joseph Jacomet gefährdert, Richtung Val Acletta das Haus von Giusep Maissen und gegen Segnas das Haus von Departementsvorstehers Placi Genelin. Trotz des grossen Einsatzes ist es nicht gelungen, das Dopplehaus Lozza/Maissen zu schützen. Plötzlich ist der wilde Hahn auf das Haus Lozza/Maissen gesprungen und hat das schöne Bauernhaus in Schutt und Asche verwandelt. Den Feuerwehren ist es gelungen, weitere Häuser zu schützen.

Ein trauriges Bild in der mondhellen Nacht! Zum Glück konnte man die Kinder und Personen retten. Die Bilanz des Brandes zeigt den Totalverlust des Hauses Lozza/Maissen und die zwei Familien Maissen Baseli mit 5 Kleinkindern und Giusep Lozza mit vier Kindern ohne Dach über dem Kopf. Sie konnten nur das Allernötigste retten. 7 Ställe sind komplett zerstört, dazu die Käserei des Weilers und ein Schafsschopf. Die übrigen Geschädigten sind die Erben Flury-Jacomet Josef, Genelin Placi, Maissen Anton, Maissen Sep, Venzin Battesta, Placi Berther, Albert Berther, Baseli Maissen. Einige Tiere konnten gerettet werden, doch rechnet man mit einem Verlust von 2 Kühen und 50 – 60 Schafen/Ziegen. Möchte man den Schaden ersetzen, muss man 400 – 500 000 Franken aufwenden. So lass uns der Heiligen Maria von Acletta danken, dass sie den Weiler vor noch grösserem Schaden bewahrt hat. Danken möchten wir auch im Namen der Geschädigten den Feuerwehren, allen bekannten und unbekannten Helfern für die Hilfe in diesen schweren Stunden. Zwei Familien mit zusammen 9 Kindern (von 1, 2, 21/2, 41/2, 5, 7, 71/2; 11 e 12 Jahren) sind ohne Dach und Schutz und konnten nur das Allernötigste retten. Wollen wir diesen nicht helfen? Wir glauben doch, dass die Geschädigten unsere Hilfe brauchen. Wer kann und mag soll einen Geldbetrag auf das Konto nr. X. 8580 Donnegiai I Brandgeschädigte Acletta/Disentis überweisen. Auch Kleidung und Waren zu Gunsten der Familien werden vom Aktionskomitee angenommen. Bereits im Voraus danken wir den Spendern mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“.

Bilder: zur Verfügung gestellt durch Placi Lozza, Acletta/Disentis

Selva in Flammen 1949

Wörtliche Übersetzung aus der Wochenzeitung Gasetta Romontscha vom 15. Juni 1949, geschrieben vom Chefredaktor Dr. Sep Condrau

Wie viele Male haben wir, den Oberalppass überquerend, das liebliche Dorf von Selva am Fusse des Berges betrachtet: die einfachen Holzhäuser zusammengeschart um das Gotteshaus, dem Hl. Antonius gewidmet – wie viele Schafe rund um den guten Hirten. Und heute? Eine Ruine! In der Nacht vom 11./12. Juni 1949 – vom Samstag auf den Sonntag – ist das Dörflein Selva Opfer eines gewaltigen Feuers geworden. Die Kirche, 12 Häuser, davon 5 Doppelhäuser, und 20 Ställe sind nun Asche. Nur zwei neue Häuser, gebaut am Dorfeingang, sind gerettet. Die kleine Käserei unterhalb des Dorfes erinnert an Arbeit und Schaffen einer eifrigen und fleissigen bäuerlichen Bevölkerung. Zwei Kornhisten zuhinterst im Dorf zeugen, dass noch hier auf 1535 Meter über Meer Korn und Kartoffeln angebaut werden. Das Dorf selber ist eine Ruine. Kein einziges, ganzes Stück Holz ist übriggeblieben. Die gebleichten Blechdächer sind vom Feuer verwölbt, liegen zuunterst im Fundament der Gebäude und decken die Ruinen wie ein Leichentuch ab. Ein Dorf im Sarg! Welch Schmerz und Traurigkeit für die 90 Einwohner (davon 30 Kinder unter 15 Jahren), die alles innerhalb eineinhalb Stunden verloren haben. Grund genug zu helfen. Gemeinschaft gibt Kraft, von allen Seiten!   Feuer! Feuer! Es ist Samstag Abend. Die Einwohner von Selva, müde von der Arbeit, gehen frühzeitig zu Bett. Paul Benedetg Venzin, der Bruder von Pfarrer Venzin in Surcasti [Lugnez], ist kurzzeitig vor seinem Haus, schaut, wie sich das Wetter entwickelt und geht dann zu Bett. Die Kleinen schlafen bereits tief und fest. Plötzlich schreit seine Frau: „Schau einmal, diese Helligkeit!“ Venzin springt aus dem Bett, öffnet die Fensterläden und sieht die drei Ställe rund um sein Haus in Flammen. Bereits lecken die Flammen an den Wänden seines neuen Hauses. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als die 5 kleinen Kinder zu nehmen, der Kleinste ist 5 Monate, der Grösste 7 Jahre alt, um mit allen das Haus fluchtartig zu verlassen. Die Kinder sind im Schlafhemd, alle barfuss. Keine winzige Gelegenheit, irgendetwas zu retten. Währenddessen haben auch die anderen Bewohner das Feuer entdeckt. Die kleine Glocke der Antonius-Kapelle seufzt und schluchzt. Plötzlich ist das ganze Dorf auf den Beinen. Pfarrer Schuler, der kühne Pfarrer von Selva, springt zum Telefon, wählt den Notruf Nr. 18 und alarmiert den Feuerwehrkommandanten, als die Flammen bereits durch die Fenster dringen. Er kann noch seinen 88jährigen Vater, der mit ihm lebt, wecken und muss dann das Haus verlassen, um sein Leben zu retten. Gaudenz Loretz, der am Anfang des Dorfes wohnt, nimmt seinen „Jeep“ und eilt nach Rueras für die Spritze. Sein Haus ist noch ganz. Als er mit den Männern von Rueras und der Spritze zurückkehrt, ist es niedergebrannt. Er kann keinen Pickel und keine Schaufel retten. Das Feuer springt von Haus zu Haus. Die Flammen schleichen wie Schlangen durch die Ställe. Nur für einen kurzen Moment kann der Hydrant inmitten des Dorfes benutzt werden. Dann müssen die Bewohner alles liegen lassen und das Dorf verlassen. Innerhalb einer Viertelstunde – nicht mehr als eine halbe Stunde – brennt das ganze Dorf. Der Himmel errötet so, dass man es von Trun bis Realp sieht.   Die erste Hilfe Es mag wohl 10.00 Uhr gewesen sein – am Radio waren gerade die Nachrichten zu hören – als die Einwohner von Tschamut [oberhalb des Dorfes Selva] das Feuer entdecken. Die Wirtin des Hotels Rheinquelle alarmiert sofort die Feuerwehren von Andermatt und Disentis. Die Feuerwehr Disentis musste bereits in der vergangenen Nacht ein gewaltiges Feuer in Raveras [Dorfteil von Disentis] bekämpfen. Dort wurde ein Stall von Giusep Spescha und die Werkstatt von Conrad Werth zerstört. Der Feuerwehrkommandant Theodor Huonder zögert nicht lange, als er die schreckliche Nachricht hört. Er ruft das Pikett von Disentis und Trun und innerhalb einer Viertelstunde verlässt das Fahrzeug, verladen mit Mann, Schlauch und Material, das Dorf. Die Trunser – mit einer Motorspritze – fahren innerhalb von 45 Minuten von Trun nach Selva. [heute kein Problem, damals jedoch eine Herausforderung]. Unglücklicherweise fehlt die Motorspritze von Disentis. Seit dem Brand in Acladira-Trun vom 18/19. Dezember 1948 ist diese in Chur. Die Gebäudeversicherung, welche die Spritze vor 20 Jahren in Disentis platziert hatte, konnte sich noch nicht entscheiden, die defekte Spritze zu ersetzen oder reparieren zu lassen. Eine komische Sache, die nun zu Tage kommt, wenn die Katastrophe da ist! Zum Glück hatte Disentis gute Hydranten. Für die Weiler und die umliegenden Dörfer ist die Motorspritze ein absolutes Muss. Der Bahnhof Disentis organisiert sofort einen Sonderzug, um weitere Hilfe zu bringen. Die Feuerwehr Andermatt, die zum Teil aus Realp herangezogen werden musste, und die Militär-Feuerwehr eilen mit ihren 2 Motorspritzen zur Stelle. Bald sind die drei Motorspritzen am Rhein platziert und übernehmen die Arbeit der zwei Handspritzen aus Rueras und Sedrun. Die Leistung ist gewaltig und der Brandstelle wird Löschwasser im Überfluss zur Verfügung gestellt. Das Feuer hat sich orkanartig verbreitet und ist so gewaltig stark, dass man sich auf das Halten der noch bestehenden Gebäude beschränken muss. Aus der Kirche können das Allerheiligste, ein Kelch mit Hostien, weitere Kelche und Messgewänder, die Statue des Hl. Antonius und eine 300jährige Marienstatue, kürzlich renoviert, gerettet werden. Alles andere bleibt im Feuer. Die Bewohner können nichts retten. Zum Glück ist das Vieh auf dem Maiensäss und die Schafe auf der Alp. Die Haustiere {60 Ziegen und 12 Schweine), eine Anzahl Bienenhäuser mit 10 bis 12 Völkern, 80 Hühner werden verbrannt. In einem Stall findet man die Kadaver von 14 Ziegen, eins neben dem anderen. Das verbrannte Fleisch verbreitet einen unangenehmen Geruch. Während der ganzen Nacht wird mit Wasser und Pumpen gearbeitet. Was für ein Anblick am nächsten Morgen! Feuer und Rauch und Ruinen wo man hinschaut. Aus den Ruinen steigt noch während des ganzen Tages Rauch auf. Wir statten der Unglücksstelle einen kurzen Besuch ab. Man muss die Tränen springen lassen, wenn man die Bewohner auf ihren Ruinen stehen sieht. Sie haben alles Hab und Gut verloren.

Selva steht aus den Ruinen auf Die Nachricht des Unglückes von Selva geht durch die ganze Schweiz und weckt überall das Mitleid der ganzen Bevölkerung. Der Bundespräsident, Bundesrat Nobs, telegrafisch bereits am Sonntag Morgen informiert, zeigt sofort seine Sympathie und sein Mitleid. Eine Delegation des Kleinen Rates (Dr. Darms, Dr. Planta, Dr. Margadant) besuchen noch am gleichen Tag die Unglücksstelle. Radio-Zürich startet am gleichen Tag eine Hilfsaktion und bringt an diesem Abend einen mündlichen Bericht des Maturanden Max Jäger, Sohn von Oberst Jäger in Bern, der in Disentis studiert. Der Bundesrat beschliesst drei Sachen: 1. eine Spende von 10 000 Franken für die erste Hilfe zu geben. 2. Militärbaracken zur Verfügung zu stellen, um Leute und Frucht unterzubringen, je nachdem, was gebraucht wird. 3. Subventionen für den Aufbau der Häuser zur Verfügung zu stellen. Das Rote Kreuz möchte Decken und Bettwäsche zur Verfügung stellen. Die Firma Sandoz AG in Basel, eine der wichtigsten Chemiefirmen, schickt 10000 Franken. Die C.K.W. in Luzern gibt 3000 Franken. Die 15 Jubilare der Firma Bally, die zufällig an diesem Abend im „Krone“ in Sedrun weilen, organisieren eine Spende und übergeben den Verunglückten eine schöne Summe. Auch das Kloster Disentis übergibt eine schöne Spende von 1000 Franken. Die Caritas-Zentrale (Luzern) schickt 1000 Franken. Die Tuchfabrik Truns schenkt Decken und Kleidung. Die Schweizerische evangelische Union schickt ein Fahrzeug voll mit Waren. Aus Nah und Fern kommen Fahrzeuge mit Waren und Nahrungsmitteln. Die Schweizerische Post erlaubt freie Warensendungen bis 15 kg. Spenden in Geld können auf das Postcheque-Conto X 150 Hilfsaktion für Selva überwiesen werden. Die Bahn transportiert konstenlos Waren, die dem Hilfskomitee in Sedrun adressiert sind. Das Hilfskomitee, das sich ohne Verzögerung gebildet hat, besteht aus dem Gemeindevorstand Tujetsch, dem Pfarrer in Sedrun, Pfr. Giusep Durschei, und dem Kaplan von Selva, Pfarrer Schuler. Das Dorf Selva wurde bereits mehrmals Opfer verschiedenster Unglücke. 1785 ist das Dorf bereits einmal abgebrannt, 1808 wurde es durch eine Lawine begraben. Immer wieder wurde es aufgebaut. Auch dieses Mal muss das Dorf von Selva wieder auferstehen, mit Gottes Hilfe und der Hilfe guter Menschen. Jeder helfe nach seinen Kräften!

Anmerkungen: Der Dorfbrand von Selva hat eine wahre Spendenwelle in der ganzen Schweiz ausgelöst. Tonnen Hilfsgüter wurden nach Sedrun/Selva transportiert und das Hilfskomitee stiess sehr schnell an seine Grenzen. Vorwürfe, dass die Waren nicht rechtmässig verteilt wurden, kamen auf. Aus dem guten Gedanken, Hilfe zu leisten, entstand sehr schnell Zwietracht und Eifersucht. Heute ist Selva wieder aufgebaut. Nur zwei Bewohner leben dort ganzjährig. Ansonsten sind Häuser und auch viele Ställe zu Ferienwohnungen umfunktioniert. Im Sommer wird Golf gespielt, im Winter ist das Dorf fast ausgestorben. Die Feuerwehr Sursassiala versorgt das Gebiet. Je nach Wettersituation kann es noch heute schwierig sein, das Dorf zu erreichen.   Die untenstehenden Bilder wurden uns freundlicherweise von der Gemeinde Tujetsch (©) zur Verfügung gestellt. Weiterführende Infos (in Romanischer Sprache) sind hier abrufbar. Originaldokumente nach dem Brand sind auf dieser Seite zu finden.

Brand Raveras 1949

Wörtliche Übersetzung aus der Wochenzeitung Gasetta Romontscha vom 15. Juni 1949 Fürio, Fürio! –  Der Feuerruf, das Alarmhorn und die Glocken der Kirche S. Gions alarmieren die Bewohner von Disentis am Freitag Abend [, den 10. Juni 1949] um 11.30 Uhr.  Schon steht der Stall, der zum Haus der Familie Giusep Spescha in Raveras gehört, in Vollbrand. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit springt das Feuer auf das Haus. Vier Familien und eine alleinstehende Frau werden vom Feuer, das durch die Fenster dringt, überrascht. Sie müssen so schnell fliehen, dass sie nichts anderes als das Leben retten können. Die Feuerwehr des Dorfes, des Klosters, von Segnas und Mumpé Medel arbeiten gut. Alle fragen nach der Motorspritze. Diese fehlt leider und so kann der nahegelegene Aclettabach nicht genutzt werden. Zum Glück ist es windstill, ansonsten wäre der Dorfteil Raveras in grosser Gefahr gewesen. Mit welch Geschwindigkeit ein Feuer sich in einem Komplex von Holzhäusern ausbreiten kann, sehen wir am Beispiel von Selva. Danken wir Gott, dass er unser Dorf vor einer solchen Katastrophe bewahrt hat. Wie sieht es am Samstag Morgen aus? – Der Stall, die Werkstatt von Conrad Werth und die Hälfte des Wohnhauses, wie auch die Dachuntersicht sind den Flammen zum Opfer gefallen. 18 Personen – die meisten davon Kinder – sind ohne Dach. Zwei Familien haben alles verloren. Und die anderen? – 200 000 Liter Wasser haben wohl gute Arbeit im Feuer erledigt, auf der anderen Seite aber auch grossen Schaden verursacht. Die Möblierung und das Inventar aller Bewohner wurden durch das Wasser zerstört. Der Beitrag der Versicherung ist sehr klein. Auch das Haus ist komplett zerstört. Wohl den grössten Schaden erleidet der Besitzer der eingeäscherten Gebäude, Hr. Giusep Spescha, Vater von 12 Kindern. Gott dankend, dass er uns vor grösserem Schaden bewahrt hat, wollen wir den Geschädigten gedenken. Naturalien, Kleidung und Geld zu diesem Zweck kann im Pfarrhaus bei Pfarrer Fidel Camathias, Disentis, abgegeben werden. Gott vergelte und beschütze euch dafür!

Auf der Brandstätte am Sonntagmorgen Eigener Sonderbericht

Disentis, 12. Juni 1949 (NZZ)

Schon Freitagnacht um 1 1 Uhr ertönte in Disentis Feueralarm. Man vernahm, dass ein rasch angezogener und auf die Strasse geeilter Student der Klosterschule einem in der ersten Aufregung barfuss durchs Dorf rennenden Feuerhorn-Bläser das Alarmzeichen abnahm und selbst damit weitereilte. Am Dorfausgang gegen Curaglia stand ein Stall und ein vierstöckiges Wohnhaus in Flammen. Von überallher sah man in Disentis eine mächtige Feuergarbe und eine grosse Rauchwolke in den grauen Nachthimmel steigen; Pfarrkirche und Kloster waren von einem unheimlichen Feuerschein beleuchtet. Die Feuerwehren des Klosters, der Gemeinde Disentis und der Umgebung, die nach dem Läuten aller Glocken der Pfarrkirche herbeieilten, konnten den Brand rasch eindämmen; da es glücklicherweise windstill war, konnte ein Uebergreifen auf die benachbarten Holzhäuser verhindert werden. Der Stall und der oberste Stock des steinernen Wohnhauses brannten ab; Menschenleben waren Gottseidank keine zu beklagen. Noch während eine Brandwache an dieser Brandstätte wegen der Gefahr eines neuen Aufflammens des Feuers beobachtete, wurde das Bündner Oberland von einer ungleich schwereren Brandkatastrophe heimgesucht. Am Samstagabend um 10 Uhr ertönte das unheimliche Feuerhorn wieder in der Ferne und bald auch in der Nähe. Der Muntatsch, ein Hügel oberhalb der Oberalpstrasse am Dörfausgang von Disentis, stand sogar in einem eigenartigen rötlichen Schimmer, als man um diese Zeit wegen des schon wieder hörbaren Feueralarms aus dem Fenster schaute. Etwa 10 km weit von Disentis entfernt, in Selva, war in einem Stall in der nördlichen Ecke der Häusergruppe, etwa um 10 Uhr nachts, Feuer ausgebrochen. Der rheinabwärts blasende Wind jagte das verheerende Feuer innerhalb von 20 Minuten durch den ganzen dicht zusammengebauten Weiler. Im Nu stand alles, Wohnhäuser, Kirche mit Pfarrhaus und die Ställe in hellen Flammen.

Brand in Disentis.

22.3.1945. Im Haufe des Plazidus Desax in Disentis brach Feuer aus. Das Haus enthielt eine Wollkarderei und die Wohnung des 83jährigen Besitzers, der zum Fenster hinaus gerettet werden konnte. Das Gebäude brannte aus, und die Maschinen des Betriebes wurden stark beschädigt. Auch ein Teil der Wollvorräte ist verbrannt. Ein Anbau mit Schreinerei und der Wohnung einer siebenköpsigen Familie erlitt sehr grossen Wasserschaden.

Brand in Val da Cuoz 1934

Wörtliche Übersetzung aus der Gasetta Romontscha Nr. 23, Jg. 78 vom 7. Juni 1934. Bilder freundlicherweise von Ch. Berger zur Verfügung gestellt. Fotos von Decurtins, Disentis.

Am letzten Sonntag, den 3. [Juni 1934] sind in Disentis, Val de Cuoz, 3 Gebäude, zwei Häuser und ein Stall der Gebrüder Ursicin, Constantin und Gion Michel Schnoz abgebrannt. Val de Cuoz gehört zur Nachbarschaft Segnas. Die drei Gebäude, hintereinander gebaut, befanden sich in Val [Tal], einige hundert Meter oberhalb des Eisenbahnviadukts und der Strasse. Das oberste Gebäude war das alte Elternhaus Schnoz mit Sägerei, Stampfe, Mühle und Schreinerei. Das Haus gehörte nun den Brüdern Constantin und Gion Michel Schnoz, die auch Besitzer des mittleren Gebäudes, einem Stall, waren. Das untere Gebäude mit Stall, Schreinerei-Laboratorium [!] und Wohnung gehörte dem dritten Bruder Ursicin Schnoz. Die Gebäude waren versichert. Constantin und Gion Michel hatten auch einige Waren und Maschinen versichert, jedoch wohl nicht alles. Ursicin hatte sein Mobiliar nicht versichert. Durch den Brand wurden alle 3 Gebäude komplett zerstört. Das Feuer hat sich mit solcher Wucht und solcher Geschwindigkeit ausgebreitet, dass es nicht möglich war, irgendetwas namhaftes aus dem Haus zu retten. Aus dem unteren Haus konnten überhaupt nur einige Schriften, einige Matratzen und sonst nichts gerettet werden. Drei Familien, 16 Personen, sind ohne Dach, vom Nötigsten beraubt. In Disentis werden jeweils zwei Fronleichnams-Prozessionen gehalten, am Donnerstag vom Kloster und am Sonntag von der Pfarrkirche s. Gions aus. Selbstverständlich kommt jeder, der irgendwie kann, zur Prozession. So war es auch am letzten Sonntag. Die Einwohner von Cuoz und Umgebung waren ziemlich alle in Disentis-Dorf zur Messe. Im Val da Cuoz verblieben nur einige wenige Frauen. Einige Personen, die nach der Prozession recht schnell von Disentis her an den Gebäuden vorbeikamen, haben nicht das Geringste gemerkt. Kurze Zeit später, es war um 12 Uhr, strecken sich die Flammen bereits unter das Dach hervor. Die Männer, die gerade vom Gottesdienst kommen, sehen die Rauchschwaden, rennen was sie können und finden bereits die 2 Gebäude in Flammen. Ein Einwohner von Mompé-Medel [auf der gegenüberliegenden Seite] alarmiert die Feuerwehr. Es ist 12.05 Uhr. In kurzer Zeit ist die Motorspritze auf Platz. (die Feuerwehr hat sich gut angestellt und liess die Spritze mit einem Personenwagen nach Cuoz ziehen). Der Rhein bringt genügend Wasser und die Spritze funktioniert tadellos, doch es gibt kein Erbarmen. Es scheint, als würde es mehr brennen, je mehr man hineinspritzt. Das losgelassene Element findet ein furchtbares Opfer in diesen Holzgebäuden und lässt nicht mehr los. Im Feuer verbleiben 5 Schweine, einige Anhänger und viel Hartholz, die Maschinen und fast der ganze Hausrat der 3 Familien. Im Auge eines solchen losgelassenen Elementes ist der Mensch machtlos. Was wir heute machen können, ist das Unglück zu mildern und den Geschädigten unser Wohlwollen zukommen lassen. Falls jemand die Güte hat, sich den Geschädigten zu erinnern, begeht er eine gute Tat. Wir empfehlen die 3 Familien der Fürsorge! Die Geschädigten beauftragen uns, allen, die in der schweren Stunde geholfen und getröstet haben, zu danken.

Gruppenführerkurs 1927

Zwischen den 4. und 9. April 1927 fand in Disentis ein Gruppenführerkurs statt. Dieser wurde durch die Herren Mathis, Frigg, Michel und Caviezel (von Sumvitg) geleitet. 53 Männer nahmen am Kurs teil, wie die lokale Zeitung „Gasetta Romontscha“ berichtete. Auf dem Bild sieht man die wohl erste Motorspritze der Feuerwehr Disentis. Die Aufnahme entstand im jetzigen Quartier Gonda. Aus der Sägerei entstand der heutige Einkaufsladen Spar.