aus der Gasetta Romontscha vom 28.1.1926
In der Nacht von Freitag auf Samstag, den 22./23. d. M., brannte das Doppelhaus der Brüder Guglielm Gadola-Berther und Tumaisch Gadola mitten im Dorf Disentis bis auf die Grundmauern nieder. Das Haus war zur Zeit des Brandes bewohnt von der Familie G. Gadola (⅔ des Hauses), von der sich in jener Nacht neun Personen im Haus befanden, sowie von der Familie Berther-Loretz aus Tujetsch, drei Personen. Im Parterre befanden sich die Schreinerei Geh. Manetsch-Giger, das Schuhgeschäft von G. Gadola sowie das Textil- und Kurzwarengeschäft von Berther-Loretz.
Wir dürfen wahrlich Gott und der Umsicht der herbeigeeilten Leute danken, dass das Feuer lokalisiert werden konnte. Unter anderen Umständen hätte der Brand für einen beträchtlichen Teil des Dorfes katastrophale Folgen haben können. In unmittelbarer Nähe des Feuers, in nur 2–3 m Abstand, standen mehrere Holzgebäude – ein Stall von Sep Maria Schwarz und das Haus von Leonard Levy – von denen aus sich das Feuer leicht in zwei Richtungen des Dorfes hätte ausbreiten können. Ein Glück war es, dass Winter war und alle Dächer eine gute Schneedecke trugen.
Das Feuer im Haus Gadola brach gegen ein Uhr nachts aus. Ein Sohn der Familie Gadola, der mit vier weiteren Brüdern in einer Kammer im Giebel des Hauses schlief, hörte Holz knacken und rief: „Vater, Feuer!“ Guglielm Gadola sprang aus dem Bett, sah eine Feuersbrunst nahe der hölzernen Trennwand, die die beiden Hausteile voneinander schied. Er ergriff irgendein greifbares Werkzeug und schlug damit auf die Flammen ein, um sie zu löschen; ein Zweiter tat dasselbe. Doch vergeblich – das Feuer hatte die Wände bereits erfasst. Als sie mit Wasser zurückkamen, war alles voller Rauch und Flammen. Es blieb nur noch ein Weg: fliehen und die Leute alarmieren.
Das Feuer breitete sich mit großer Heftigkeit aus. Die Betroffenen konnten nur das Allernotwendigste retten. Wenige Minuten nach ein Uhr waren bereits Nachbarn vor Ort. Das Feuer hatte sich jedoch so rasch ausgebreitet, dass aus den Wohnräumen kaum etwas gerettet werden konnte. Aus der Werkstatt und den Läden konnte dagegen vergleichsweise viel Inventar geborgen werden. Das ganz aus Holz gebaute Haus, dessen Wände mit farbigen Schindeln verkleidet waren, bot dem entfesselten Element reichlich Nahrung. Es war erschreckend, sich vorzustellen, wie sich das Feuer von diesem Knäuel von Gebäuden weiter ausbreiten könnte. Glücklicherweise war das Haus mit einem soliden Steinplattendach gedeckt, das dem Feuer lange standhielt und insbesondere für die benachbarten Gebäude auf der Südseite ein ausgezeichneter Schutz war.
Rasch setzten die Feuerwehrleute von Disentis die Hydranten in Betrieb; später kam auch die Spritze zum Einsatz. Diese wurde bei Raveras aufgestellt, wo sie Mühlwasser fasste und dieses rund 400 m zum Brandplatz pumpte, sobald das nötige Schlauchmaterial verfügbar war. Von allen Seiten eilten Leute herbei. Mit Kübeln und Schaufeln wurde gearbeitet, aber auch mit Vorsicht und der nötigen Ruhe. Hervorzuheben ist auch die Ordnung, mit der unter großer Sorgfalt Gegenstände aus den gefährdeten Häusern entfernt wurden. Auf Schlitten und Körben wurde zusätzlich Schnee herangebracht – eine gute Ergänzung zum Wasser.
Auf Alarm hin trafen die Männer aus Medel und Tujetsch, aus Sumvitg und Trun ein; die Letzteren mit einem von Mustér aus organisierten Sonderzug (ein Vorteil der hier stationierten Elektrolokomotiven). Drei weitere Spritzen wurden in Betrieb genommen. Gegen Tagesanbruch, nach langem Wüten, hatte das Feuer auch heimlich das Dach des neuen Hauses von Sep Maria Schwarz erfasst. Man bemerkte dies jedoch rechtzeitig und konnte auch dort weiteres Unglück verhindern.
Das abgebrannte Gebäude war bei der kantonalen Brandversicherung mit rund 38 000 Franken Bauwert versichert. Versichert waren auch das Mobiliar und das Geschäftsinventar beider Geschädigten.
Das Feuer brach vermutlich durch einen verborgenen Defekt im Kamin des Hausteils gegen Osten aus, ohne Verschulden der einen oder anderen Partei. Es ist fast anzunehmen, dass ein Holzbalken des Gebäudes bis an den Kamin reichte – etwas, das sich auch heute noch in manchem älteren Haus findet. Von dort aus dürfte das Feuer entstanden sein.
Allen, die geholfen haben, diesen schrecklichen Brand einzudämmen, wie auch allen, die zur Minderung des Schadens der Betroffenen beigetragen haben, gilt ein herzlicher Dank:
„Gott vergelte es!“